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Internationale Mitarbeitende erfolgreich einarbeiten: 5 Säulen des sprachsensiblen Onboardings

Lesedauer:

6 Minuten

Sie haben Fachkräfte aus dem Ausland gewonnen oder möchten gezielt Zugewanderte in Ihr Team integrieren? Eine großartige Entscheidung, denn internationale Mitarbeiter:innen bringen wertvolle Perspektiven, Motivation und Vielfalt in Ihr Unternehmen.

Gleichzeitig ist klar: Sprache spielt im Alltag eine zentrale Rolle. Wenn Deutsch (noch) nicht sicher beherrscht wird, kann das manchmal zu Missverständnissen oder Unsicherheiten führen, sowohl bei den neuen Mitarbeitenden als auch im Team. Damit sind Sie nicht allein. Laut DIHK-Ausbildungsumfrage 2025 hat sich in den letzten zehn Jahren die Anzahl ausländischer Azubis in Deutschland verdoppelt. Gleichzeitig nennen 71% der Betriebe, die Bewerber:innen aus Drittstaaten ausgebildet haben oder dies vorhaben, mangelnde Sprachkenntnisse als größte Herausforderung.

Doch die gute Nachricht ist: Sprachförderung muss kein Hindernis sein, sondern kann ein echter Erfolgsfaktor werden, wenn sie von Anfang an Teil des Onboardings ist. Denn Sprache lernt man nicht nur im Kurs, sondern vor allem im Miteinander, im Arbeitsalltag und durch ein unterstützendes Umfeld.

Ein sprachsensibles Onboarding schafft genau diesen Rahmen. Es hilft neuen Mitarbeitenden, sich schneller sicher zu fühlen, ihr Potenzial zu entfalten und aktiv zum Team beizutragen. Gleichzeitig stärkt es das gesamte Team, weil Kommunikation, Geduld und interkulturelles Verständnis wachsen. Ganz gleich, ob Ihr Unternehmen eine Personalabteilung hat oder nicht: Sie haben die Chance, die Integration der neuen Beschäftigten zu begleiten, sie mit dem Thema Sprache nicht allein zu lassen und es von Anfang an in den Onboardingprozess zu integrieren. Dabei steht längst nicht nur der:die neue Mitarbeiter:in im Fokus. Auch das vorhandene Team spielt eine entscheidende Rolle und sollte frühzeitig einbezogen werden. Die fünf Säulen des sprachsensiblen Onboardings zeigen, wie Sie Sprache auf Personal-, Team- und Organisationsebene nachhaltig verankern und damit die Basis für erfolgreiche Zusammenarbeit schaffen.

5 Säulen des sprachsensiblen Onboardings

1. Team im Vorfeld sensibilisieren

Gerade wenn es im Unternehmen noch wenig Erfahrung mit internationalen Kolleg:innen gibt, sollte sich die Belegschaft frühzeitig vorbereiten können. Das Thema Sprache scheint zunächst trivial, ist aber für die Integration Zugewanderter entscheidend. Folgende Fragen zur Unternehmenskultur sollten mit dem Team im Vorfeld beantwortet werden:

  • Wie sprechen wir hier?
  • Welche Sprache benutzen wir (Fachsprache, Dialekt, Jargon…)?
  • Was ist an dem spezifischen Arbeitsplatz wichtiger – Mündlichkeit oder Schriftlichkeit?
  • Was könnte für den:die neue:n Kollegen schwierig sein?
  • Wie können wir den „Sprachschock“ zu Beginn abfedern und was brauchen wir dazu?
  • Wo liegen bereits Kompetenzen im Team und wo benötigen wir noch Unterstützung?

Anhand einer solchen Bestandsaufnahme lassen sich nächste Schritte ableiten: Workshops zu Themen wie einfache Sprache, sprachsensibles Anleiten, kommunikative Hürden u.a. bereiten Kolleg:innen gezielt auf die Kommunikation mit nicht-muttersprachlichen Mitarbeitenden vor. Lassen Sie das Team nicht allein! Je früher Sie es einbeziehen, desto reibungsloser wird die Integration gelingen.

2. Gezielte Sprachförderung im Betrieb

Dass Sprachelernen auch Expert:innen braucht, liegt auf der Hand, wenn es darum geht, effiziente Lernprozesse anzustoßen. Deutschkurse oder -trainings sind bewährte Formate. Im Sinne eines ganzheitlichen Onboardings finden sie während der Arbeitszeit und vor Ort im Unternehmen statt.

Nehmen Sie sich unbedingt die Zeit und recherchieren Sie nach geeigneten Anbietern für die betriebliche Sprachförderung. Im besten Fall suchen Sie hier nach einer langfristigen Zusammenarbeit mit dem Anbieter.

Folgende Fragen helfen Ihnen dabei:

  • Welche Ziele sollen und können in welchem Zeitraum erreicht werden?
  • Wie werden die Bedarfe von Betrieb und Mitarbeitenden ermittelt?
  • Wer übernimmt die Planung und Vorbereitung der Maßnahme?
  • Wie sind die Lehrkräfte qualifiziert?
  • Inwieweit sind die Materialien auf die Lernziele abgestimmt?

Je enger die Inhalte mit den tatsächlichen Anforderungen am Arbeitsplatz verzahnt werden, desto erfolgreicher wird die Sprachförderung sein. Da sind auch Sie gefragt: Sprechen Sie sich eng mit den Lehrkräften ab und gewähren Sie ihnen Einblicke in das Unternehmen, z.B. bei Arbeitsplatz-Hospitationen, Vorab-Interviews und der Einsicht in Schriftstücke aus dem Arbeitsalltag. Nur so weiß die Lehrkraft, was Ihre neuen Azubis am Ende wirklich leisten sollen und bereiten sie zielgerichtet darauf vor.

3. Begleitung auf Augenhöhe

Eine vertrauensvolle und verlässliche Begleitung neuer Fachkräfte ist gerade am Anfang wichtig.  Unternehmen, die Zugewanderte beschäftigen, setzen eigene Mitarbeitende zunehmend als Sprachmentor:innen ein.

Sprachmentor:innen…

  • sind speziell geschulte Mitarbeiter:innen
  • sind keine Deutschlehrer:innen, aber sensibel für die Perspektive nicht-muttersprachlicher Kolleg:innen
  • begleiten auf Augenhöhe
  • können Sprachbarrieren im Arbeitsumfeld erkennen und abbauen
  • können ihre:n Mentee sprachsensibel anleiten und seine:ihre Sprachkompetenzen fördern

Internationale Mitarbeitende, die von Anfang an auf diese Weise unterstützt werden, gewinnen leichter an Selbstsicherheit und fühlen sich schneller im Team zugehörig. Typische Frustrationserfahrungen lassen sich vermeiden und Einarbeitungszeiten verkürzen sich. Auch auf die Kommunikation in Ihrem Team wirkt sich der Ansatz positiv aus: Fehler und Missverständnisse verringern sich, wodurch Konfliktsituationen reduziert werden. Dies fördert ein positives Arbeitsklima und steigert die Mitarbeiter:innenmotivation langfristig. Das fachliche Know-how von internen Sprachmentor:innen und ihre genaue Kenntnis der Unternehmenskultur sind dabei von unschätzbarem Wert und durch keinen externen Anbieter zu ersetzen. 

4. Gemeinsames Lernen ermöglichen

Nicht immer sind Veränderungen im Unternehmen willkommen, zumal jede Veränderung auch Flexibilität erfordert. Es wäre daher fatal, sich allein auf neue, nicht-muttersprachliche Fachkräfte zu fokussieren. Vielmehr sollten sich Unternehmen überlegen, welche Angebote auch für das aufnehmende Team attraktiv sein können.

Das Thema Sprache bietet dabei vielfältige Anknüpfungspunkte: Von der Einrichtung von Sprachcafés oder -stammtischen für unterschiedliche Sprachen über die Vermittlung von Sprachtandems bis hin zum kostenfreien Fremdsprachkurs während der Arbeitszeit. Für manche liegen hier Anreize, sich weiterzuentwickeln, für andere bieten solche Formate eine willkommene Gelegenheit, Gemeinschaft zu pflegen. So lassen sich Personal- und Teamentwicklung wunderbar miteinander verbinden. Der Kreativität von Unternehmen sind hier keine Grenzen gesetzt. 

5. Unternehmen als Sprachlernort

Die letzte Säule nimmt schließlich die konkrete Arbeitsumgebung in den Blick. Überprüfen Sie:

  • Wie ist der Arbeitsplatz gestaltet?
  • Gibt es unterstützende Piktogramme, Visualisierungen für wichtige Prozesse?
  • Sind Arbeitsmittel beschriftet?
  • Gibt es Hilfe zur Selbsthilfe? Stehen bspw. Videoanleitungen zur Verfügung? Existieren Glossare, Checklisten und wie leicht haben Ihre Mitarbeitenden darauf Zugriff?
  • Wie sieht der Besprechungsraum aus? Stehen Flipchart und Stifte bereit, um wesentliche Aspekte festzuhalten?
  • Liegen wichtige Unterlagen, Willkommensmappen mehrsprachig oder in einfacher Sprache vor?
  • Können nicht-muttersprachliche Kolleg:innen das Willkommenspaket überhaupt ohne Unterstützung verstehen?

Hier können Sie selbst aktiv werden. Gestalten Sie die Arbeitsräume und -dokumente möglichst sprachbarrierefrei. Und wenn die neuen Mitarbeitenden da sind: Bleiben Sie im Austausch! Was kann noch verbessert werden? Welche Ideen haben sie, um künftigen zugewanderten Kolleg:innen den Einstieg weiter zu erleichtern? Oft sind es kleine, aber wirkungsvolle Veränderungen, die den Betrieb zum Sprachlernort machen.

Fazit: Sprache als Brücke zur Integration

Sprachsensibles Onboarding ist kein Zusatzprojekt, sondern Teil guter Personalführung. Wenn Sie Sprache von Beginn an mitdenken, profitieren alle: Mitarbeitende, Team und Unternehmen.

Autorin: Hanna Schubert
Dipl.-Kommunikationspsychologin